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PASSIVHAUSINSTITUT / Dr. Wolfgang Feist

Pressemitteilung 23.08.2001

Europaweiter Erfolg des Passivhauses ist

Chance für den Klimaschutz

Ergebnisse aus dem Projekt Kostengünstige Passivhäuser als europäische Standards (CEPHEUS)

Klimaschutz lautet das Gebot der Stunde. Ein Drittel unserer Energie wird im Bereich Wohnungsheizung eingesetzt. Was im Bereich der Altbauten die Sanierung ist, bedeutet im Neubaubereich: Heute schon so energieeffizient bauen, dass die Häuser auch noch in Jahrzehnten nicht als Energieschleudern gelten müssen. Dabei kann das Niedrigenergiehaus, das ab dem nächsten Jahr mit der Energieeinspar-Verordnung zum Standard wird, noch unterboten werden, nämlich durch das Passivhaus.

Dass der Passivhausstandard generell in verschiedenen europäischen Ländern realisierbar ist, zeigt das von 1998 bis 2001 laufende Projekt CEPHEUS (Cost Efficient Passive Houses as European Standards), dessen Ergebnisse jetzt veröffentlicht werden. Dieses von der Europäischen Kommission geförderte Projekt umfasst den Bau von über 220 Wohneinheiten im Passivhausstandard in Deutschland, Schweden, Österreich, Frankreich und der Schweiz.

Besonders innovativ sind die beiden deutschen CEPHEUS-Projekte.

Die Passivhaus-Siedlung in Hannover-Kronsberg mit 32 Reihenhäusern ist das erste Siedlungsprojekt, in welchem im Wohnbereich auf Heizkörper verzichtet wurde. Der geringe Wärmebedarf der Häuser wird über die mit ausschließlich frischer Außenluft betriebene Wohnungslüftung zugeführt. Die Passivhaus-Siedlung in Hannover zeigt auch, dass es möglich ist, die noch bestehenden sehr niedrigen Primärenergieanforderungen durch erneuerbare Energiequellen - in diesem Fall eine Windkraftanlage - zu kompensieren.

Ein Schlüsselprojekt sind auch die ersten Passivhaus-Geschoss-Wohnungsbauten

im sozialen Wohnungsbau in Kassel-Marbachshöhe. Der dort gemessene Verbrauch an Heizwärme ist um 82 % geringer als der Verbrauch eines ansonsten gleichen Gebäudes, wenn es entsprechend der gültigen Wärmeschutzverordnung von 1995 gebaut worden wäre. Trotz verschatteter Lage und fehlender solaroptimierter Orientierung funktioniert das Passivhauskonzept bei den Geschosswohnungsbauten, das beweisen die extrem niedrigen Verbrauchswerte, die im ersten Jahr gemessen wurden. Die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung in Kassel wurde durch das Hessische Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten gefördert. Das Projekt CEPHEUS – Kostengünstige Passivhäuser als europäische Standards wurde unter der Projektleitung der Stadtwerke Hannover von sieben Partnern in Europa durchgeführt. Ziel war es, nicht nur über 220 Wohnungen mit verschwindend geringem Heizwärmeverbrauch zu realisieren, sondern auch die Verträglichkeit mit den jeweiligen regionalen Bautraditionen zu demonstrieren und die ökonomische Tragfähigkeit eines solchen Konzeptes zu prüfen.

Jetzt liegen die Messergebnisse aus den an verschiedenen Standorten in Europa errichteten Passivhäusern vor: Tatsächlich ist die Heizleistung in allen Projekten so gering, dass die Wärme von zwei 100 Watt-Glühbirnen ausreichen würde, um einen Raum von 20 Quadratmetern zu beheizen. Die Bewohner der Demonstrationsgebäude sind mit dem spürbar verbesserten Komfort sehr zufrieden.

Die Ergebnisse dieses Demonstrationsprojektes der Europäischen Union sind:

 - Wohngebäude mit dem unglaublich geringen Heizenergiebedarf von weniger als etwa 1,5 Liter Heizöl je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr konnten geplant, gebaut und ihre Funktion konnte ausgewertet und bestätigt werden; dies erfolgte an 14 Standorten in Europa und in 221 fertiggestellten Wohnungen unterschiedlichster Bauart und verschiedenen Typs.

 - Gegenüber üblichen Neubauten ergeben sich für alle ausgewertete Projekte erhebliche Einsparungen an Heizwärme von durchschnittlich 80 % bereits in der ersten Heizperiode. In der Summe aller Energieanwendungen einschließlich Haushaltsstrom wurden Primärenergieeinsparungen von fast 60 % erzielt.

- Die Behaglichkeit in den gebauten Wohnungen ist im Winter wie im Sommer ausgezeichnet: Das bestätigen objektive Messergebnisse, aber auch die subjektiven Einschätzungen durch die Bewohner.

- Die noch bestehenden baulichen Mehrkosten lassen sich schon heute auf ein ökonomisch vertretbares Maß reduzieren. Dazu wurden eine Vielzahl von neuen Produkten entwickelt und vereinfachte Hilfsmittel zur Planung von Passivhäusern bereitgestellt.

- Der baulich-technische Standard wurde von den meisten Projekten im Wesentlichen erreicht. Die Gebäudehüllen sind ausgezeichnet luftdicht, in mehreren Projekten wurden n50-Werte unter 0,4 h-1 erreicht. Bei den Thermografien konnten praktisch keine nennenswerten, nicht bereits planerisch berücksichtigten Wärmebrücken entdeckt werden.

- Durch den extrem niedrigen Wärmeverbrauch ist es möglich, den Energieverbrauch eines Passivhauses mit erneuerbaren Energiequellen, wie z.B. Windkraft, zu kompensieren, das zeigt die CEPHEUS-Reihenhaussiedlung in Hannover-Kronsberg.

Allen Häusern gemeinsam sind der ausgezeichnete Wärmeschutz, die verbesserten Fenster und die Wärmerückgewinnung aus der Abluft. Die extrem niedrige maximale Heizlast erlaubt es, den technischen Aufwand bei der Heizung klein zu halten. Allen Projekten gemeinsam ist ein wirtschaftlich vertretbarer Einsatz von Investitionsmitteln.

Sehr unterschiedlich dagegen sind die Standorte und das Standortklima, die Gebäudetypen, die vom Einfamilienhaus bis zum Geschosswohnungsbau gehen sowie die Bauweisen: Von Stahlbetonkonstruktionen über den Mauerwerksbau bis zum reinen Holzleichtbau ist alles vertreten. CEPHEUS beweist, dass mit dem Passivhausstandard die Klimaschutzaufgabe im Bereich der Neubauten praktisch lösbar ist. Entscheidend ist, dass das Passivhaus sein Ziel nicht über Einschränkungen des Wohnkomforts erreicht, sondern diesen sogar noch erhöht: Behaglichkeit und Luftqualität sind im Passivhaus höher als in den meisten konventionellen Gebäuden.

Weitere Informationen zu CEPHEUS gibt es im Internet unter www.cepheus.de und zum Thema Passivhaus auf der Homepage des Passivhaus

Institutes unter www.passiv.de

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